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Raubtier Mensch

21.07.2015 17:25:08

Vor kurzem las ich einen interessanten Artikel von Kate Wong auf „Spektrum.de“ mit dem Titel „Der Mensch der geborene Jäger“. Die Fakten bezüglich der Evolution des Menschen habe ich daraus übernommen, denn ich finde es faszinierend, wie die Entwicklung zum Fleischesser uns zu einem der intelligentesten und erfolgreichsten Raubtiere der Erde gemacht hat und nun ein Trend diese Initialzündung des Siegeszuges unserer Art gerade in Frage stellt.

 

Früh in der Geschichte des Menschen sind Beweise dieser sehr effizienten Ernährungsumstellung zu finden. In den 1990er Jahren fanden Archäologen in einer Braunkohlegrube nördlich des Harzes acht Speere, außerdem Tierknochen. Das Alter dieser Funde wurde auf ca. 300.000 Jahre festgelegt.

 

Eine noch umstrittene Theorie verlegt den Zeitpunkt des ersten Hinweises auf die Entwicklung des Menschen in Bezug auf sein Dasein als Jäger auf vor 500.000 Jahre zurück. Zu diesem Zeitpunkt begann der Mensch sich nicht mehr nur von pflanzlicher Nahrung, sondern auch von Fleisch zu ernähren. Knochenfunde mit Nagespuren weisen darauf hin.

 

Die daraus resultierende Tragweite dieser Ernährungsumstellung ist, nach Wong, gar nicht hoch genug zu beurteilen. Denn durch den höheren Energieanteil der Fleischnahrung wuchs die Hirnmasse. Beim Auffinden der ersten Homogattungen betrug sie 600 g. bis zum Erscheinen des Homo Sapiens vor ca. 200.000 Jahren im Schnitt 1400 g.

 

Gleichzeitig - und dadurch ermöglicht - schritt auch die kulturelle Entwicklung fort. So mussten, nach Wong, die Menschen lernen, zusammen zu arbeiten, Funde von großem Wild belegen, dass dies die bevorzugte Beute war. Sie mussten also gemeinsam bejagt, erlegt und geteilt werden.

 

Beobachten wir nun allerdings den Menschen im Jahre 2015, wie er durch den Supermarkt schlendert, erscheint die Vorstellung nahezu lächerlich, hier eines der geschicktesten Raubtiere der Evolution zu sehen. Auf den ersten Blick passen wir nun gar nicht in das Bild eines solchen:

 

Wir haben keine Krallen, keine wehrhaften Zähne, sind keine schnellen Sprinter und nicht sonderlich kräftig. Doch unsere Gattung entwickelte sich zum gefährlichsten Raubtier der Erde. Unser aufrechter Gang macht uns zu ausdauernden Läufern und ermöglichte uns einen besseren Überblick, unsere Schulterpartie erlaubt uns eine hervorragende Wurffähigkeit. Unser Gehirn ermöglicht es uns, immer neuere Technologien zu entwickeln, unsere Hände sind geschaffen, um Handwerkliches zu vollbringen und zeichnen sich durch einen sehr festen Griff aufgrund des gegenübergestellten Daumens aus.

 

Aber gehen wir noch einmal zurück in den Supermarkt und schauen uns genauer um...

 

Nahrung gibt es in der heutigen Zeit im Überfluss, zumindest hier in unseren Bereichen. Es steht alles rund um die Uhr und ständig frisch zur Verfügung. Der Jäger muss nicht mehr jagen, um zu überleben. Er braucht nur den Einkaufswagen zu schieben und Futter nach Hause zu schleppen. Aber warum gibt es dann noch Jäger, die ihr Leben dieser Passion verschreiben? Ganz einfach, weil gerade aus der Situation, des Überflusses und der Nahrungsmasse die Natur sich nicht mehr selber im Gleichgewicht halten kann.

 

Wir Menschen haben sie zu einer Kulturfläche gemacht und bewirtschaften und nutzen alle Bereiche. Sowohl für den Fleischkonsum, aber natürlich auch durch den Anbau von Getreide, Gemüse, Soja usw. Wir beanspruchen jeden Bereich und verändern alles nach unseren Anforderungen. Daraus entwickelten sich bei den Tieren sowohl Kulturfolger, als auch Kulturflüchter. Jene, die folgen, gedeihen mehr als prächtig und vermehren sich stark, jene die flüchten, werden immer weiter verdrängt, letztlich auch durch den starken Anstieg der Folger.

 

Der Mensch ist nun verpflichtet diese Balance wieder ins Gleichgewicht zu bringen und regulierend einzugreifen, damit die Artenvielfalt erhalten bleibt und auch die Populationsgröße im gesunden Verhältnis zum Nahrungsangebot steht. Dies und noch viele andere Aufgaben, wie Wildschadensprävention, Nachsuchen nach im Straßenverkehr verunfalltem Wild, Anlegen von Biotopen und vieles mehr, gehört zu den heutigen Aufgaben der Jäger.

 

Schauen wir abermals in den Supermarkt...

 

Es fallen hier auch Menschen auf, die bewusst nach veganen Lebensmitteln greifen und somit auf den Verzehr von tierischen Produkten verzichten. Warum tun sie das? Ich lebe nicht vegan, aber ich habe Veganer in meinem Freundeskreis und ich unterhalte mich mit ihnen über ihre Entscheidung so zu leben. Manche lehnen die Massentierhaltung und die Ausbeutung der Lebewesen ab, andere sehen darin eine Möglichkeit der Selbstkontrolle in einer Welt, in der alles jederzeit verfügbar ist, wieder andere verstehen darin die einzig wahre Liebe zum Tier. Auch gibt es welche, die es einfach cool und hip finden.

 

Jeder hat letztlich seine eigene Intention, die ich weder verurteile, belächele oder sonst wie in Frage stelle. Denn eine solche Entscheidung ist sicher nicht immer ganz einfach zu leben. Die Ausmaße des Konsumverhaltens und die „Geiz ist geil“ Mentalität gehen sicher zu Lasten der Tiere. Hier ist aber meiner Meinung nach, nicht der absolute Verzicht, sondern der bewusste Umgang mit Produkten die Lösung der Problematik. Denn man darf nicht vergessen, dass auch der Anbau von Lebensmitteln für die vegane Ernährung, eine kultivierte Fläche beansprucht.

 

Ich denke, wenn wir nachhaltig und achtsam mit Lebensmitteln umgehen, könnten wir viel Leid ersparen. Wenn der Mensch bereit ist, einen angemessenen Preis für tierische Produkte zu bezahlen und somit das Lebensmittel achten und schätzen würde, würde sich vieles verbessern. Aber die gleichzeitige Verteuflung aller Landwirte und auch der Jäger, die in manchen Köpfen besteht, ist fehl am Platz! Denn wo wären wir, wenn wir nicht vor so vielen Jahren zu Jägern und Bauern geworden wären?

 

Durch die Anpassung an das trockenwerdende Klima vor 3 Mio. Jahren standen die menschlichen Primaten vor einem Scheideweg der Evolution. Robuste Arten wie der Australopithecinae entwickelten massige Kiefer und Zähne, um Pflanzenkost zu zermahlen. Andere Gattungen, aus denen letztlich der Homo hervorging, verzehrten zunehmend tierische Proteine und Fette.

 

Beide Lösungen bewährten sich lange Zeit, doch vor ca. 1 Mio. Jahren waren die robusten Arten dann ausgestorben.

 

Erst die Jagd und der Verzehr von Fleisch haben uns zu dem gemacht, was wir heute sind: Intelligente Menschen, mit großer Macht über- und somit noch größere Verantwortung für unsere Welt.

 

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Warum schreibe ich das alles? Ist es ein Angriff auf vegan lebende Menschen? Mit Sicherheit nicht! Ich respektiere eine solche Entscheidung. Was ich aber nicht respektiere, sind Angriffe auf Jäger und Landwirte. Egal aus welchen Reihen sie kommen.

 

Unseren Kindern bringen wir das Sprechen bei, uns wurde es auch beigebracht… aber vielleicht sollten wir endlich auch lernen, einander zuzuhören. Viele Mauern würden sich abbauen lassen, denn viele Vorurteile entstehen durch einseitige Sichtweisen und Halbwissen. Das gilt sowohl für die Veganer, die jeden, der Fleisch isst, zum Mörder machen, als auch für die andere Seite, die alle als radikal verurteilen, die auf Fleisch verzichten.

 

Wir werden sicherlich nicht dümmer dabei, wenn wir einmal die gegenseitigen Gründe hinterfragen würden. Wenn wir gemeinsam versuchen würden, die Missstände zu beheben, die durch konsumorientierte Massentierhaltung und extensiven Getreideanbau entstehen.

 

Hinterm Tellerrand geht’s weiter, lasst uns mal rüber schauen...

 

In diesem Sinne,

 

Wmh, Eure Niko!